Kloster Heisterbach

3D-Rekonstruktion und Film

Mönche, Orden, Zisterzienser

Das Wort "Mönch" leitet sich vom lateinischen "monachus" ab, ursprünglich griechisch von "monos" - für "Einsiedler". Entstanden ist die Mönchsbewegung erst im 4. Jh. im Osten des römischen Reiches.

Im Umfeld der verschiedenen Einsiedler (z.B. Antonius der Große) fanden sich Schülergruppen zusammen, für die erste Regeln des gemeinsamen Lebens verfasst wurden. Im Westen wurden diese Texte im 5. Jh. übernommen und angepasst, etwa durch die sog. Augustinusregel des Bischofs von Hippo in Nordafrika. Eine wichtige Gestalt für das westliche Mönchtum ist der heilige Martin von Tours († 397) als Gründer der Abteien Marmoutier und Liguge.

Das abendländische Mönchtum entscheidend geprägt hat der Römer Benedikt von Nursia (547), dessen Regelwerk zwischen 530 und 560 entstanden ist. "Ora et labora" sind die Maximen dieser Regel, die in ausgewogener Weise Glauben und Leben miteinander in Einklang zu bringen suchen. Durch die Festschreibung der fränkischen Herrscher, diese Regel allen Klöstern ihres Reiches verbindlich zu machen, erhielt die Benediktregel ihre umfassende Bedeutung und tiefgehende Wirkung für das Abendland. Sie blieb die ausschließliche Regel für die Mönche bis zum Auftreten der Bettelorden, die neue Regeln einbrachten, die stark von der zeitlichen Entwicklung geprägt waren, etwa durch deutliche demokratische Elemente.

Die Zisterzienser waren der Benediktregel verpflichtet. Als Reformgruppe der Benediktiner suchten sie, den ursprünglichen Sinn dieser Regel zu verwirklichen.

Auf die Frage „Was ist ein Mönch“ antwortet Pfr. Georg Kalckert.

Der Zisterzienserorden

Am 21. März 1098 - dem Fest des heiligen Benedikt von Nursia – gründete Robert von Molesme († 1111) mit 21 Mönchen das Kloster Cîteaux als „novum monasterium“ (lat. = „Neukloster“). Die Zisterzienser gingen als Reformzweig aus dem Benediktinerorden hervor.

In einem frühen Dokument heißt es: sie beschlossen „gemeinsam, in Treue zu ihrem Gelöbnis die Regel des heiligen Benedikt in jenem Kloster [Cîteaux] zu verwirklichen und einmütig zu halten. Sie verwarfen alles, was der Regel widersprach … So machten sie die Regeltreue zur Richtschnur ihres ganzen Lebens, folgten ihren Vorschriften sowohl in liturgischen als auch in allen übrigen Belangen und richteten sich ganz nach ihr aus“.

Der Grundsatz der Benediktregel „ora et labora“ (bete und arbeite) bildet zusammen mit „et lege“ (und lies) als Einheit das Leitmotiv des zisterziensischen Alltags. Nicht nur die liturgische Feier, sondern auch das Gestalten des Tages aus Gebet, Arbeit und Lesung im Einklang bedeutet für die Mönche Gottesdienst.

Wichtigste Richtschnur neben dem Evangelium und der Benediktregel war die "Charta caritatis", ein Werk von Stephan Harding († 1134), das am 23. Dezember 1119 seine päpstliche Bestätigung fand. Grundanliegen war, die Einheit wie Eintracht im Orden zu wahren durch klare Regeln.

Im Laufe der Geschichte gab es verschiedene Reformunternehmen im Orden. Reformierte Zisterzienser sind die Trappisten, die heute den größeren Teil der Zisterzienser darstellen und seit 1892 ein eigener Orden sind.

Abt Bruno aus dem Heisterbacher Mutterkloster Himmerod in der Eifel berichtet über die Anfänge des Zisterzienserordens im 12. Jh., den innovativen Impuls, der von der Bewegung ausging, bis hin zu einem vor-demokratischen Netzwerk zisterziensischer Klöster in Europa.

Tagesablauf in einem Zisterzienserkloster

Die Benediktsregel leitet für den Gottesdienst am Tage von Psalmen der Bibel ab: „Zu diesen Zeiten lasst uns also unserem Schöpfer den Lobpreis darbringen wegen seiner gerechten Entscheide, nämlich in Laudes, Prim, Terz, Sext, Non, Vesper und Komplet. Auch in der Nacht lasst uns aufstehen, um ihn zu preisen.“

Schon im Mittelalter war der Tag wesentlich von den Stundengebeten geprägt. Der Zeitpunkt des Aufstehens war im Sommer anders als im Winter. In heutigen Zisterzienserklöstern ist diese Struktur prinzipiell weiter vorhanden, jedoch in leicht abgewandelter Form. So werden die Vigilien oftmals etwas später am Morgen gehalten, z. B. im Heisterbacher Mutterkloster Himmerod um 4:30 Uhr, in anderen Klöstern teilweise auch erst gegen 6:00 Uhr in der Früh.

Nach der Komplet herrscht im Kloster das „Silentium nocturnum“, das nächtliche Stillschweigen. Es wird erst wieder am nächsten Morgen bei den Vigilien beendet, mit dem Eröffnungsvers: „Domine, labia mea aperies, et os meum annuntiabit laudem tuam! ( lat. = Herr, öffne meine Lippen, und mein Mund wird Dein Lob verkünden!“.

Ausbreitung des Zisterzienserordens

Die Stärke und die dadurch ermöglichte intensive Ausbreitung des Ordens bestand in der klar formulierten rechtlichen Grundverfassung, die über die Benediktregel hinausging. War bei den Benediktinern der auf Lebenszeit gewählte Abt die eigentlich entscheidende Person als Leiter der autarken Abtei, führen die Zisterzienser das jährliche Generalkapitel in Citeaux ein, das alle Äbte zur Teilnahme verpflichtet und auf dem die Weisungen wie Korrekturen für den gesamten Orden beschlossen werden.

Hinzu kommt als weiteres verbindendes Element das sog. Filiationsprinzip. Der Gründerabt bleibt Aufsichtsorgan für die Tochterabtei (filia) und greift gegebenenfalls auch bei Problemen korrigierend ein.

Die enorme Ausbreitung des Ordens nach seiner Gründung erfuhr eine erste Stagnation durch das Auftauchen der Bettelorden im 13. Jahrhundert. Der nächste große Einbruch erbrachte die Reformation. Nach dem Aufleben der Orden nach dem Dreißigjährigen Krieg im Barock, an dem auch die Zisterzienser erheblichen Anteil nahmen, kam es dann zum Untergang des Ordens durch die Säkularisierungen, d.h. die Auflösung der Klöster durch die verschiedenen europäischen Staaten. Nur die Abteien Rein und Zwettl sowie Heiligenkreuz in Österreich entgingen der Aufhebung.

Filiation (Ausschnitt)

Durch das Filiationsprinzip im Orden konnten sich die Zisterzienserklöster schnell ausbreiten. Der Orden gründete im 12. Jh. 350 Männerklöster, Bernhard von Clairvaux rund 70 von diesen.

Die Grafik zeigt nur einen kleinen Ausschnitt zur Verdeutlichung der Filiationslinie von Citeaux zu Heisterbach und zu dessen einzigem Tochterkloster Marienstatt, das 1215 gegründet wurde - gut 22 Jahre bevor die steinerne Abteikirche in Heisterbach eingeweiht wurde.

Zisterzienserinnen

Der weibliche Zweig der Zisterzienserinnen entstand unter Abt Stephan Harding von Citeaux zwischen 1120 und 1125 durch die Gründung der Abtei Tart in der Nähe von Citeaux. Die Frauen lebten nach den Gewohnheiten der Zisterzienser und waren von diesen die Geschichte hindurch abhängig.

Jedes Kloster unterstand einem "Pater immediatus", einem Zisterzienserabt, der die Aufsicht ausübte. Dem Heisterbacher Abt unterstanden zeitweise 16 Frauenklöster im Rheinland und in den Niederlanden. Erst durch das Zweite Vatikanische Konzil erhielten die Äbtissinnen Stimmrecht im Orden.

Bernhard von Clairvaux

Bernhard von Clairvaux (1090-1153) ist einer der wichtigsten Gründerfiguren des Zisterzienserordens. Ostern 1112 oder 1113 tritt er mit dreißig gleichgesinnten Freunden und Verwandten in das Erstkloster Citeaux ein. Dieser Zuwachs führt zu einer deutlichen Expansion des Mutterklosters und zur Gründung der Primarabteien des Ordens: 1113 La Ferté, 1114 Pontigny, 1115 Morimond und Clairvaux, wo Bernhard Abt wurde. Sein Einsatz und seine Beziehungen zu wichtigen Erzbischöfen seiner Zeit - Trier, Lund und Armagh führte zur Gründung vieler neuer Tochterabteien - insgesamt 68 bis zu seinem Tod.

Schon bald nahm er einen zentralen Platz im kirchlichen wie politischen Leben in Europa ein. In Deutschland predigte er 1146 den zweiten Kreuzzug im Auftrag des Papstes; das Scheitern dieses Kreuzzuges wurde weitgehend ihm zur Last gelegt. Im Bereich der Theologie wirkte er 1140 an der Verurteilung Abaelards in Reims mit. Eigens kam er an den Rhein, um die dortigen Judenverfolgungen zu beenden.

Die vielseitigen und weitreichenden Aktivitäten Bernhards führten dazu, dass man das 12. Jahrhundert als "bernhardinisches Zeitalter" bestimmt hat. Er hat sich selbstkritisch als "Chimäre des Jahrhunderts" bezeichnet. Seine Wirkung auf die Kirche und den Orden wie auf die europäische Geschichte wie Theologie ist ernorm. Die gesamte Literatur des Zisterzienserordens ist von ihm geprägt. Sein Gedankengut beeinflusste viele Theologen späterer Zeit u.a. auch Luther und Calvin. Nicht unbedeutend ist sein Einfluss auf die Architektur des Ordens wie auf die Ausstattung der Klöster.

Bernhard von Clairvaux ist der "letzte Mystiker" vor der langen und alles bestimmenden Phase scholastischen Denkens. Seine Aussage "Glühen ist mehr als Wissen" ist eine tiefgehende Charakterisierung seines Denkens und Wirkens. Die Heiligsprechung erfolgte am 18.1.1174. In der Kirche wird er als Kirchenlehrer verehrt, sein Fest wird am 20. August gefeiert.