Kloster Heisterbach

3D-Rekonstruktion und Film

Zur Geschichte des Klosters

9. bis 13. Jh. - Von den Anfängen bis ins Hochmittelalter

Vor 800
Besiedlung des Tales seit der Steinzeit.
800 – 1000
Besiedlung in Form von Grundherrschaften, im Tal existieren Wassermühlen.
966
Erwähnung von Hof Sülz als Weingut.
1134
Ritter Walther läßt sich mit einer Schar Genossen auf dem Petersberg nieder, gründet eine Gemeinschaft von Augustiner-Chorherren.
1177
Augustiner-Chorherren verlassen Petersberg.
Fundamente der ersten Klosterkapelle auf dem Petersberg.
Situation auf dem Petersberg nach Ankunft der Mönche. Gut zu erkennen ist die Kapelle, deren Fundamente heute noch exisitieren.
1189
Klostergründung: Auf Bitte des Kölner Erzbischofes wurde am 17. März 1189 Prior Hermann mit zwölf Mönchen vom Kloster Himmerod in der Eifel ausgesandt, auf dem Stromberg - dem späteren Petersberg - im Siebengebirge ein Tochterkloster zu gründen. Die Personenanzahl von 13 Konventualen entsprach den Vorschriften des Ordens für Klostergründungen. Unter Hermanns Führung zogen die Mönche wahrscheinlich zunächst an die Mosel, bestiegen dort ein Schiff und fuhren dann mosel- und rheinabwärts zum Siebengebirge. Nach sechs Tagen kamen sie am Mittwoch, den 22. März, einen Tag nach dem Fest des heiligen Benedikt am Fuße des Strombergs an. Möglicherweise verzögerte sich die Fahrt, da die Mönche wohl nicht planten, diesen Festtag unterwegs zu begehen.
Pfarrer Georg Kalckert erläutert den Umzug der Mönche vom Petersberg in das heutige Heisterbacher Tal.
1193
Umzug ins Tal, erste Gebäude zunächst aus Holz, Klostermauer folgt. Von vornherein geplant war der Umzug ins Heisterbacher Tal zur Errichtung des Klosters. Hierzu wurden die dortigen Siedlungen umgesiedelt. Die bereits gerodete und vom Menschen genutzte Landschaft wurde für die Umsiedlung weiter gerodet. Im Tal sind die Bedingungen besser als auf dem Berg. Vor allem der Zugang zu fließendem Wasser, aber auch zu anderen Ressourcen sowie die geschützte Lage sind hier optimal.
1198
Hungersnot im Heisterbachr Tal, 1500 Menschen werden an der Klosterpforte versorgt.
1199 bis 1240
Caesarius lebt und wirkt im Kloster
1202
Beginn Bau Abteikirche
1219 bis 1223
Caesarius schreibt „Dialogus miraculorum“
1227
Chorkranz mit Kapellen fertig
1233
Klausurgebäude fertig
1237
Einweihung der Abteikirche am 18.10.1237. Sie zeigt einen Übergangsstil zwischen Romanik und Gotik. Im Rheinland ist einzig der damalige romanische Kölner Dom größer als die Heisterbacher Abteikirche.
Bis ca. 1240
Blüteperiode des Klosters.
Rekonstruktion der Anlage zur Gründungszeit
Rekonstruktion der Innenkirche. Blick auf den Altarbereich, der heute noch sichtbare Teil der Chorruine.
Der hintere Teil der Klosterkirche. Blick auf den Lettner.
Fotomontage der historischen Situation um 1250 und der Gegenwart.
Der Speisesaal der Mönche.
Die gesamte Klosteranlage um 1250. Unten die Fischteiche.

13.-18. Jh. - Vom Spätmittelalter bis zum Barock

1250
Kloster muß Teile des Besitzes verkaufen. Niedergang folgt.
1282 bis 1303
Urkunden belegen hohe Verschuldung des Klosters
Ab 1290
kommt es in weiten Teilen Europas zu lang anhaltenden Hungersnöten, hauptsächlich hervorgerufen durch die Abkühlung des Klimas, die als so genannte kleine Eiszeit vier Jahrhunderte anhielt.
1347 bis 1353
Pest in Europa, 20 bis 25 Mio. Menschen, ca. 1/3 der europ. Bevölkerung stirbt.
1357
Zahl der Mönche im Kloster muß begrenzt werden.
1469
Abt von Heisterbach wird des unerlaubten Reliquienhandels verdächtigt
1580 bis 1588
Truchsess'scher Krieg
22.5.1588
Plünderung und Niederbrennung des Klosters durch Söldner. Danach Wiederaufbau
1618-1648
Dreißigjähriger Krieg, Auswirkungen auf Kloster, Mönche verlassen Kloster
Nach 24.10.1648
langsame wirtschaftliche Erholung
Beginn 18. Jh.
Rückbesinnung auf strengeres Ordensleben, wirtschaftlicher Aufschwung.
1711
Bau des Brauhauses
1717/22
Ankauf von Burg Leubsdorf
1722/23
Bau der Wirtschaftsgebäude des Küchenhofes
1726
Ankauf Hof Widdig
1733
Ankauf Frankenforsterhof
1750
Bau des barocken Torgebäudes
1750
Barock. Letzte Blütezeit des Klosters nach Hungersnöten, wirtschaftlichen Auf- und Abstiegen bis hin zur Zerstörung des Klosters 1588. In der 40 Jahren davor wurden Brauhaus, Zehntscheune, Küchenhof und Torhaus errichteet. In der Umgebung zeigt sich der Einfluß der wirtschaftenden Menschen stärker. Jahrhunderte betriebene Niederwaldwirtschaft lichtete die früheren Hochwälder start aus.
Die Situation um 1750
Blick aus dem Heisterbacher Tal, damals noch „Peterstal“, Richtung Süden auf die Klosteranlage, den Nonnenstromberg links und den Petersberg rechts mit Steinbruch.
In der Nähe des Klosters befinden sich Fischteiche und landwirtschaftliche Nutzflächen.
Das Landschaftsbild ist von lichtem Wald und Landwirtschaft geprägt.

Ende 18./Anfang 19. Jh. - Säkularisation

Mit der Säkularisation endet 1803-1804 das mönchische Leben in Heisterbach. 1809-1818 wurde die Abtei bis auf die Chorruine abgerissen - in letzter Sekunde griffen preußische Behörden ein. Graf zur Lippe-Biesterfeld, Neubesitzer des Klostergeländes, errichtet auf ihm einen englischen Landschaftsgarten. In der Umgebung markieren vor allem die zahlreichen Steinbrüche die massiven Eingriffe in Landschaft und Boden. Sich ausdehnende Landwirtschaft und Steinabbau lösen nach 1850 einen verstärkten Rodungsprozess aus. Mit der 1889 eröffneten Heisterbacher Talbahn hält auch die Eisenbahn Einzug ins Siebengebirge. Zur selben Zeit erwacht der Tourismus. Seit 1836 existieren staatliche Naturschutzmaßnahmen im Siebengebirge, seit 1922 ist es offizielles Naturschutzgebiet und somit eines der ältesten Deutschlands.

1794
Übernahme der Verwaltung im Linksrheinischen durch die Franzosen. Kloster verliert seinen dortigen Besitz.
1803
Aufhebung der Grundherrschaft des Klosters, Abtei wird säkularisiert, Verpachtung der Gebäude. Mit der Säkularisation endet 1803-1804 das mönchische Leben in Heisterbach.
Nov 1804
Mönche müssen das Kloster verlassen.
1809 bis 1818
Abriss der Abtei, Steine werden u. a. für den Bau des von den Franzosen geplanten Nordkanals zwischen Rhein und Maas genutzt.
Frühjahr 1818
Preußische Behörden verbieten Abbrucharbeiten, nur Kirchenchor und ein Teil der Seitenmauern stehen noch.
29.05.1820
Nach Einstellung der staatlichen Maßnahmen zur Erhaltung der Ruine erwirbt Ernst Wilhelm Graf zur Lippe-Biesterfeld bei einer Versteigerung das Gelände innerhalb der Klostermauern, jedoch ohne die Chorruine
Jan. 1821
Graf von der Lippe bittet um Erlaubnis, Kirchenchor, die Reste der Seitenmauern und Schutt beseitigen zu lassen
1825
Graf von der Lippe findet Gefallen an Ruine und erwirbt sie von Vorbesitzerin, Ruine wird in Planung eines Englischen Gartens einbezogen

19. Jh. - Von Lipp'scher Gartenanlage in die Industrialisierung

1825
Erstellung Urkataster der Region
1827
Errichtung eines romantisch gestalteten englischen Gartens durch Ernst Wilhelm Graf zur Lippe-Biesterfeld, mit Einbindung der Chorruine. Planung: Peter Joseph Commans; Graf hat zunächst wenig Interesse an Abtei [HEI019], S. 59
1834
Verkauf der Domäne Petersberg an den Kölner Kaufmann Joseph Ludwig Mertens; seine Gattin Sibylle Mertens-Schaaffhausen errichtete am Ort des heutigen Hotels einen Sommersitz
1836
Frühe Zeichen von Naturschutzbemühungen: preußischer Staat kauft Drachenfelskuppe, zum Schutz vor weiterem Abbau
1858
Fertigstellung der neue „Landstraße“-Verbindung zwischen Oberdollendorf und Heisterbacherrott, Asphaltiert erst nach 1900
nach 1870
Starke Veränderung des Landschaftsbildes, intensivierter Latitabbau am Stenzelberg, Basaltabbau an Weil- und Petersberg
1888
Auf Petersberg Baubeginn eines Hotels im Stil der deutschen Renaissance
1889
Bau der Petersbergbahn
1891
Eröffnung der 7 km langen Heisterbacher Talbahn für den Güterverkehr, 1892 auch für Personvenverkehr. Schmalspurbahn, Spurbreite 0,75m [HEI010]
1892
Eröffnung Hotel Nelles auf Petersberg
1892, April
Aufnahme der Personenbeförderung auf der Heisterbacher Talbahn
Um 1890: die Gartenanlage existiert. Zu erkennen ist die noch exisitierende Chorruine.
Um 1890: Die Spuren des Steinbruchs sind noch auf dem Petersberg zu erkennen. Hotel Nelles ist eröffnet.
Um 1890: Im Vordergrund Oberdollendorf, Blick Richtung Ost, rechts am Bildrand der Petersberg. Im 18 Jahrhundert dehnt sich Oberdollendorf wie auch andere Siedlungen aus. Der Weinanbau geht leicht zurück. Am Mühlenbach, der sich durch das Heisterbacher Tal zieht, wurden zahlreiche Wassermühlen gebaut. Durch intensive Nutzung ist der Wald weiterhin licht.

20. Jh. - Bis zur Gründung der Stiftung Abtei Heisterbach

1900
Anpachtung des ehem. Klostergeländes mit Landwirtschaft durch Paul Krieger, Heisterbach wird zu einem Ausflugsziel, Verkauf von landwirtschaftl. Erzeugnissen, Erfrischungen und Souvenirs vor Ort
1902
Der Pächter Paul Krieger eröffnet sein neu erbautes Hotel zwischen Chorruine und Torhaus „mit allen Bequemlichkeiten und sehr schönen Zimmern“.
1919
Die Cellitinnen erwerben den Komplex, es zieht wieder klösterliches Leben ein
1922/23
Siebengebirge wird als eines der ersten Naturschutzgebiete Deutschlands ausgewiesen
1928
Einstellung der Personenbeförderung durch die Talbahn
1931
Einstellung des Steinabbaus am Stenzelberg
1964
Aufnahmen der erstem indischen Novizinnen bei den Cellitinnen
1970
Erweiterung des Altersheims als Kernbereich der Arbeit der Cellitinnen
18.10.1984
Gründung Stiftung Abtei Heisterbach, zur Pflege und Erforschung des Kulturerbes
1986-1987
Archäologische Grabungen auf dem ehem. Klostergelände, Leitung: M. Wolters
In einem spontanen Interview vor der Chorruine berichtet M. Wolters über die Grabungen 1986-87 im Bereich der Kirche.

Die Gegenwart: das 21. Jh. in Heisterbach

2002
Generalat der Cellitinnen wird nach Heisterbach verlegt
2006
Erarbeitung der Gesamtperspektive Klosterlandschaft Heisterbach
2007
Beschluss und Beratung der Gesamtperspektive in den zuständigen politischen Gremien der Stadt Königswinter und des Rhein-Sieg-Kreises, Verleihung des A-Stempels, Unterzeichnung Rahmenkooperationsvereinbarungen durch die öffentlichen und privaten Kooperationspartner, konstituierende Sitzung des projektbegleitenden Beirats
2008
Sitzung des projektbegleitenden Beirats, interdisziplinäre Entwurfswerkstatt zur Vermittlung von Kulturlandschaft, Zustimmung des Landschaftsbeirates im Rhein-Sieg-Kreis zu den Entwurfsplanungen für die Leitprojekte „intra muros“ und „extra muros“ der Gesamtperspektive
2009
Rodungsarbeiten im Zusammenhang mit der Wiederherstellung des ehem. Landschaftsparks, archäologische Ausgrabungen durch das Rheinische Amt für Bodendenkmalpflege unter Leitung von C. Keller, virtuelle Rekonstruktion der historischen Klosterlandschaft durch Dießenbacher Informationsmedien, 1. Projekttag in der Klosterlandschaft
Blick auf das Klosterareal kurz vor der archäologischen Grabung.
Archäologische Grabung auf dem Klostergelände 2009
Im Küchenhof der ehemaligen Klosteranlage Heisterbach lagen große Steinfragmente, die allesamt aus der Kirche stammen. Prof. Runne, Hochschule Anhalt und sein Team für uns 3D-Scans der Steinfragmente durch. Auf Basis einer Forschungsarbeit von Maximilian Wemhöner an der Universität zu Köln konnten die Steinfragmente optisch im virtuellen 3D-Modell der Kirche zugeordnet werden.
Dreharbeiten