Zwischen 1192 und 1193 zog der Gründungskonvent der zwölf Mönche um Abt Herrmann vom Petersberg ins
damalige Peterstal. Das Tal war keine unbewohnte Wildnis mehr, sondern eine bereits gerodete und von
Menschen genutzte Tallandschaft.
Getreu der benediktinischen Regel „ora et labora“ (bete und arbeite) gestalteten sie die Landschaft für
das Kloster und die Nutzung seiner Umgebung. Bereits zur Gründung lagen mehrere landwirtschaftliche
Betriebe im Gebiet, das den Mönchen übertragen wurde.
Die Verbindung von ausgeprägter Spiritualität und Ökonomie ist charakteristisch für den
Zisterzienserorden. Das Kloster bildete den Mittelpunkt eines Verbundsystems mit abhängigen
Wirtschaftshöfen, den Grangien.
Im Steinbruch auf dem Stenzelberg wurden bereits im 13. Jh. die Steine für den Bau der Abteikirche und
der anderen Gebäude gebrochen.
Weil Fisch eine große Rolle im fastenreichen Speiseplan der Zisterzienser spielte, legten sie Teiche für
die eigene Fischzucht an. Für verschiedene Verarbeitungsprozesse nutzten die Mönche Wassermühlen und
entwickelten sie weiter.
Die Abtei Heisterbach war nicht nur ein geistliches Zentrum im Siebengebirge, sondern mit seinen weit
verstreuten Besitzungen auf beiden Seiten des Rheines bis nach Holland auch ein wichtiger
Wirtschaftsfaktor in der Region.
In der Klosterumgebung sind heute noch Spuren von Steinbrüchen zu finden. Über einen langen Zeitraum
waren Steinbrüche prägend für die Wirtschaft und die Landschaft des Siebengebirges.
Im Mittelalter stammt das Latitgestein für den Bau der Klosterkirche und der anderen Gebäude vom
Stenzelberg. Die im Siebengebirge abgebauten Steine wurden zum Bau zahlreicher Kirchen im Rheinland
genutzt, unter anderem für den Kölner Dom und den Dom zu Xanten.
Insbesondere vom 19. bis zum Beginn des 20. Jh. intensivierte sich der Steinabbau und somit der
Landschaftseingriff durch den Menschen erheblich. In naher Klosterumgebung wurden durch deren
Basaltvorkommen auch der Petersberg und der Weilberg zu Steinbrüchen.
Im selben Zeitraum vollzog sich insbesondere beim reisenden Bildungsbürgertum und schließlich auch in der
Politik eine Veränderung der Landschaftswahrnehmung. Zum Schutz des Siebengebirges wurde 1869 der
Verschönerungsverein für das Siebengebirge gegründet, dem zahlreiche wohlhabende Bürger aus Bonn
angehörten.
Das Siebengebirge wurde zu einem der ersten Naturschutzgebiete, die Steinbruchindustrie war am Ende.
Nicht Rohstoffe, sondern Freizeit- und Erholungswert wurden von nun an bedeutender.
Als erster Naturpark in Nordrhein-Westfalen verknüpft das Siebengebirge den Schutz der Natur und die
Bedürfnisse von Erholungssuchenden heute so, dass beide Seiten davon profitieren: nachhaltiger Tourismus
mit Respekt vor dem Wert der Natur und Landschaft stehen im Vordergrund.
Vor allem zum Abtransport von Steinen und Ton aus den Brüchen und Gruben des Siebengebirges wurde 1889
die Heisterbacher Talbahn – HTB eröffnet; eine Schmalspurbahn mit 75 cm Spurbreite. Obwohl drei Jahre
später auch Personen mit der Bahn fahren konnten, spielte der Gütertransport die bedeutendste Rolle:
Neben fünf Lokomotiven verfügte die Bahngesellschaft über 107 Güterwagen, aber nur vier Personenwagen.
Aufgrund der hohen Konzentration von Steinbrüchen und Tongruben in der Umgebung war das nur 7 km lange
Streckennetz zwischen Niederdollendorf und Thomasberg-Grengelsbitze gut ausgelastet. Die Güter wurden zu
Verladestellen der Staatsbahn oder, später auch direkt, bis an das Rheinufer befördert. Ein großer Teil
der Güter wurde per Schiff über den Rhein weitertransportiert. Das Umladen, vor allem der Steine, mit
Schubkarren auf die Schiffe war Schwerstarbeit.
Es gab verschiedene Möglichkeiten der Anbindung an die Talbahn: Anschlussgleise, Stumpfgleise,
Rutschrampen und die Drahtseilbahn.
Vor der Unterquerung der Staatsbahn in Niederdollendorf befand sich das Bahnhofs- und Verwaltungsgebäude
der Heisterbacher Talbahn mit einem Güterbahnhof und einer Sturzrampe für das Umladen auf die
Staatsbahnwaggons. In naher Umgebung hatten verschiedene Firmen eigene Gleisanschlüsse
Das Streckennetz war größtenteils einspurig, mit Ausweichstellen für Gegenverkehr. Täglich passierten 14
Güterzüge und sechs bis sieben gemischte Züge mit meistens nur einem Personenwagen die Strecke. Bergauf
bestanden sie aus fünf, bergab aus neun Waggons.
1905 wurde die HTB von der konkurrierenden Bröltalbahn übernommen. Mit dem Ende der hiesigen
Strinbruchindustrie gehen die Kunden verloren. Der Personenverkehr wird sukzessive von Omnibussen
übernommen. In den 40er Jahren des 20. Jh. werden schließlich die letzten Gleise der Heisterbacher
Talbahn abgebaut.
Ackerbau als prägendes Element der Kulturlandschaft
Vor der Gründung der Abtei Heisterbach war das Tal bereits besiedelt. Die Siedlungen waren
Oberdollendorf, Heisterbach, Altenrott und Hattenrott. Dazwischen lagen Ackerflächen und genutzte
Wälder. Die Gründung eines Klosters hatte große Auswirkungen auf die nachfolgende
Landschaftsentwicklung. Im Zuge der hochmittelalterlichen Rodung und der klösterlichen Einflussnahme
aufgrund des Klosterbesitzes, durch Zehntabgaben, Verwaltung sowie Bewirtschaftung und Fürsorge seitens
des Klosters für die umliegende Bevölkerung veränderte sich die Landschaft im Heisterbacher Tal. Vor
allem die Anlage von Fischteichen, Wassermühlen und die Förderung des Weinbaus durch die Abtei prägten
das Heisterbacher Tal. Besonders der Ackerbau auf großen Flächen veränderte die Landschaft nachhaltig.
Noch heute sind diese über 700 Jahre alten Kulturlandschaftselemente nördlich des Klosters erhalten.
Weinbau
Für den Weinbau in Ober- und Niederdollendorf spielte die Zisterzienserabtei Heisterbach seit 1189 eine
große Rolle. Als Messwein, vor allem aber als haltbares Getränk war der Siebengebirgswein im Mittelalter
bis nach Holland bekannt und geschätzt. Die Weinbaufläche des Klosters Heisterbach und anderer
Grundherren erweiterte sich erheblich. Die Abtei Heisterbach entwickelte sich im Siebengebirge zum
größten Weinproduzenten. Die Blütezeit des Weinbaus in Oberdollendorf lag zwischen dem 14.-16. Jh., die
Hänge und die Ebene bis zum Rhein hin waren mit Reben bestockt. Vermutlich wurde damals bevorzugt
Rotwein angebaut. Seit der Mitte des 17. Jh. führten verschiedene Ursachen zum Rückgang des Weinbaus. Um
ihre Familien ernähren zu können, bauten die Winzer im 18. Jh. auf den Weinbergen teilweise auch
Hackfrüchte, Gras und Hopfen an. Als Gegenmaßnahme, auch um die Weinbauflächen zu erhalten, stellte die
Abtei Heisterbach in dieser Zeit unentgeltlich Ackerland zur Verfügung.
Die Rücknahme von Schutzzöllen gegen die süddeutschen Weingebiete und eine Zollreduzierung französischer
Weine im 19. Jh. führten zu einer Nachfrageverschiebung zuungunsten des Siebengebirgsweins. Ab dem 20.
Jh. führten u. a. die Gründung des Weinbauvereins für das Siebengebirge und die Bildung einer
Winzergenossenschaft zu einer Konsolidierung der wenigen noch bestehenden Betriebe.
Gemäß ihrer Ordensgrundsätze galten für die Heisterbacher Zisterziensermönche strenge Fastenvorschriften.
Die Benediktsregel regelt das Maß der Speise, es „muss vor allem Unmäßigkeit vermieden werden; und nie
darf sich bei den Mönchen Übersättigung einschleichen.“
Bei der Verpflegung hart arbeitender Mönche konnte der Abt entscheiden, ob mehr als das übliche erlaubt
wurde: „War die Arbeit einmal härter, liegt es im Ermessen und in der Zuständigkeit des Abtes, etwas
mehr zu geben, wenn es guttut.“
Allgemein gilt: „Auf das Fleisch vierfüßiger Tiere sollen alle verzichten, außer die ganz schwachen
Kranken“. Fisch hingegen war als Fastenspeise auch während des Fastens erlaubt. So spielte Fisch in der
Küche des Ordens stets eine große Rolle.
Im Rahmen der Geländegestaltung bei der Klostergründung wurden bereits zu Beginn Fischteiche
berücksichtigt, die auf terrassiertem Gelände angelegt wurden. Als Teil der alltäglichen Arbeit
vertieften die Zisterzienser ihre Kenntnisse und entwickelten sich auch zu hervorragenden Fischzüchtern,
z. B. von Karpfen oder Barsch.
Das in den Teichen aufgestaute Wasser wurde auch für den zeitweiligen Betrieb von Wassermühlen genutzt.
Wegen des Fischbestands im Teich durfte der Wasserstand jedoch nicht unter ein festgelegtes Minimum
fallen. Wohl auch auf die Teichwirtschaft der Zisterzienser geht zurück, dass man eine Vorrichtung zum
Regulieren des Wasserstands in Fischteichen „Mönch“ nennt.
Schulkinder der Region kennen die Redensart: „Wie heißt der Bach von Heisterbach? Heisterbach heißt der
Bach von Heisterbach!“
Der Bach wurde von den Mönchen genutzt, u. a. um den Kreuzgangbrunnen mit frischem, klaren Wasser zu
versorgen. Außerhalb des Klostergeländes wurde der Heisterbach in die Reihe der Fischteiche em
Keltersiefen geführt.
Gemeinsam mit dem Keltersiefen mündet der Heisterbach im Mühltal in den Mühlenbach.
Vor allem Wassermühlen waren als vorindustrielle Kraftmaschinen von der Gründungszeit des Klosters bis in
die Neuzeit bedeutsam für das Leben im Heisterbacher Tal.
In Getreidemühlen wurde Getreide in verschiedenen Feinheitsgraden zu Schrot oder Mehl gemahlen.
Schleifmühlen hatten Schleifsteine zur Metallbearbeitung. Beim Bau der Abteikirche mussten die
Metallwerkzeuge zur Steinbearbeitung wahrscheinlich ständig nachgeschmiedet und nachgeschliffen werden.
Ölmühlen pressten ölhaltige Früchte aus, für Lebensmittel, aber auch für Lampenöl.
Lohmühlen zerkleinerten Baumrinde, zur Gewinnung pflanzlicher Gerbstoffe für die
Lederverarbeitung.
In Walkmühlen wurden Fasern zu Filzstoffen durchmischt und gestampft.
In der Trassmühle wurde Tuffgestein zu Trass zerkleinert, der schon im Mörtel beim Bau der
Abteikirche verwendet wurde.
Eine Baugeneration im 18. Jh. löste mit neuer Technik die mittelalterlichen Mühlen ab. Im Zuge der
Industrialisierung wurden die Wassermühlen von Dampfmaschinen und elektrischen Maschinen verdrängt.
Die Heisterbacher Ölmühle, heute „Idyllenmühle,“ wurde ursprünglich 1728 von der Abtei errichtet. Für den
oberschlächtigen Wasserrad-Antrieb musste ein höher gelegener Mühlteich im Gelände angelegt werden.
Kontrolliert gefüllt, diente der Mühlteich als Wasserreservoir.
Wurde das gespeicherte Wasser über Mühlengraben und das Gerinne auf das Wasserrad geleitet, trieb es mit
seinem eigenen Gewicht das Rad an. Auf diese Weise waren die oberschlächtigen Wasserräder sehr viel
leistungsstärker als ihre mittelalterlichen Vorgänger, die unter- und mittelschlächtigen Wasserräder.